Leitlinien für die Arbeit mit Menschen mit Demenz

Wir achten die Persönlichkeit, die Würde und die individuelle Freiheit von Menschen mit Demenz.

Für unsere praktische Arbeit heißt das: 

  • Wir wissen, dass sich demenzkranke Menschen hinsichtlich Persönlichkeit und Würde nicht von anderen Menschen unterscheiden.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass demenzkranke Menschen als kranke Menschen erkannt und akzeptiert werden.
  • Wir wissen, dass demenzkranke Menschen eigene Entscheidungen treffen können. Dies berücksichtigen wir im Alltag, z.B. hinsichtlich der Wahl der Kleidung, der Essgewohnheiten, der Beschäftigungswünsche und Schlafgewohnheiten.
  • Wir achten ihre Privat- und Intimsphäre.
  • Wir begegnen ihnen respektvoll, z. B. durch sorgfältige Wahl der geeigneten Anrede.

 

Wir begleiten demenzkranke Menschen einfühlsam und achtsam, denn sie bedürfen unserer besonderen Fürsorge.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • Wir achten auf die Bedürfnisse demenzkranker Menschen und gehen so weit wie möglich darauf ein.
  • Wir machen uns die Biographie der BewohnerInnen bewusst und beziehen sie in unsere Arbeit ein.
  • Wir entdecken und erkennen die vorhandenen Ressourcen demenzkranker Menschen. Wir beziehen diese in die Gestaltung der individuellen Angebote ein. Auf diese Weise helfen wir den BewohnerInnen, sich nützlich und wertvoll zu empfinden.
  • Wir sorgen für vertraute Bezugspersonen und Orientierungshilfen.
  • Wir berücksichtigen den höheren Zeitbedarf demenzkranker Menschen in der Eingewöhnungsphase.
  • Wir konfrontieren demenzkranke Menschen nicht mit ihren Schwächen, sondern unterstützen sie respektvoll. Im alltäglichen Umgang mit demenzkranken Menschen nutzen wir insbesondere die Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation.

 

Wir bereiten MitarbeiterInnen sorgfältig auf die Begleitung von demenzkranken Menschen vor, unterstützen und fördern sie.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • Wir berücksichtigen das Thema Demenz bei der Einarbeitung.
  • Wir bieten regelmäßig Fortbildung, Supervision und Fallbesprechungen.
  • Wir sprechen mit den Mitarbeitenden regelmäßig über ihre Arbeit.
  • Wir bieten Orientierungshilfen durch verbindliche Richtlinien für den Umgang mit demenzkranken Menschen.
  • Wir schaffen Angebote zur Stressbewältigung und zur Gesundheitsfürsorge.

 

Wir setzen MitarbeiterInnen entsprechend ihren Fähigkeiten und Neigungen in diesem Arbeitsfeld ein.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • Im Einstellungsgespräch machen wir zukünftige Aufgaben und Anforderungen transparent.
  • Wir erwarten von MitarbeiterInnen, die mit demenzkranken Menschen arbeiten: 

    • Die Akzeptanz der Leitlinien
    • Einfühlungsvermögen, Reflexionsfähigkeit, Fähigkeit zum Perspektivenwechsel und psychische Belastbarkeit
    • Bereitschaft zur Teamarbeit

  • Wir nutzen das Probezeitgespräch um gemeinsam mit der/dem MA zu überprüfen, ob die Begleitung demenzkranker Menschen die richtige Tätigkeit für sie/ihn ist.

 

Wir entwickeln unsere Organisation weiter. Dabei orientieren wir die Organisationsabläufe an dem Bedarf der Menschen, die in unseren Einrichtungen leben.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • In Heimen mit einem integrativen Ansatz sorgen wir für ein gutes Miteinander zwischen demenzkranken und orientierten Menschen. Wir sorgen für Rückzugsmöglichkeiten und Freiräume für beide Personengruppen. Wir gehen auf die veränderte Tagesstruktur demenzkranker Menschen ein.
  • Wir prüfen, in wie weit wir künftig auch segregative Betreuungsmodelle umsetzen können. Dabei beziehen wir Erfahrungen aus Modell- und Forschungsprojekten ein.

 

Wir beziehen Angehörige in unsere Arbeit mit demenzkranken Menschen ein.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • Unsere Einrichtungen haben bzw. erstellen ein Konzept zur Angehörigenarbeit.
  • Wir beraten Angehörige und vermitteln ihnen Fachwissen über die Erkrankung.
  • Wir bieten Angehörigen die Möglichkeit, die Lebenswelt in unseren Einrichtungen mitzugestalten.
  • Bei Bedarf führen wir gemeinsame Fallbesprechungen mit Angehörigen und Ärzten durch.
  • Wir fördern den Erfahrungsaustausch unter Angehörigen.

 

Wir setzen uns für eine bessere gesellschaftliche Akzeptanz und für angemessene Versorgungsformen von demenzkranken Menschen ein.

Für unsere praktische Arbeit heißt das:

  • Wir sorgen für die Einbindung unserer Einrichtungen in das Gemeinwesen.
  • Wir fördern den Austausch zwischen unseren Einrichtungen und den bürgerlichen und kirchlichen Gemeinden an den jeweiligen Standorten.
  • Wir setzen uns aktiv dafür ein, eine bessere Personalausstattung für die Arbeit mit demenzkranken Menschen zu erreichen.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass der Begriff der Pflegebedürftigkeit im Pflegeversicherungsgesetz auch auf die Bedürfnisse der demenzkranken Menschen zugeschnitten wird.